Gravierende Fälle

Oktober 2013 | SBB Bahnhof Löwenstrasse

Eine Gruppe von 30 Polen arbeitete als Scheinselbständige auf der SBB-Baustelle für den neuen Bahnhof Löwenstrasse. Die Brandschutzarbeiten verrichteten sie für die Winterthurer Firma AB Brandschutz, die die Polen durch ein kompliziertes Konstrukt an Subunternehmern in die Schweiz geholt hat. Die Arbeiter verdienten über Monate lediglich 5 bis 11 Euro die Stunde. Als zwei Arbeiter bei einer Kontrolle auffielen, wurden diese zurück nach Polen geschickt – ohne Lohn. Statt etwas gegen das krasse Lohndumping zu unternehmen, schauten das Zürcher Amt für Wirtschaft (AWA), als auch die SBB als Bauherrin einfach weg. Erst nachdem die Unia die Baustelle geschlossen hatte, kam Bewegung auf. Nach den Gesprächen mit der Unia zahlte die SBB 1 Million Franken Lohnnachzahlungen auf ein Sperrkonto ein.

März 2014 | ZARA-Flagshipstore Bahnhofstrasse

Amancio Ortega, Besitzer des Modegeschäfts ZARA und spanischer Milliardär, hat 2014 an guter Lage in der Zürcher Bahnhofstrasse seinen neuen Flagshipstore bauen lassen. Weniger gut waren dabei die Löhne der 100 Arbeiter, die das ehemalige Bally-Haus umbauten. Sie erhielten nur 900 bis 2‘000 Euro Monatslohn und mussten darüber hinaus bis zu 60 Stunde in der Woche schuften – beides ein krasser Verstoss gegen die Lohn- und Arbeitszeitregeln des geltenden Gesamtarbeitsvertrags auf dem Bau. Auch in diesem Falle unternahm das Zürcher Amt für Wirtschafts (AWA) nichts. Erst nachdem die Unia die Baustellen geschlossen hatte, um das effektive Ausmass des Lohndumpings zu beziffern, übernahm die Baufirma Goa Invest ihre Verantwortung und zahlten die ausstehenden Löhne in der Höhe von total 450‘000 Franken aus.

März 2015 | Eisenleger in Schwammendingen

Der Generalunternehmer HRS gab für die Erstellung der Siedlungsgenossenschaft Sunnige Hof in Zürich-Schwammendingen die Bauarbeiten an die Glarner Baufirma Feldmann AG weiter, diese wiederum beauftragte acht Sub-Subunternehmen. Eine davon war eine Eisenleger-Firma, die ihren Angestellten systematisch Lohnanteile vorenthielt, die Kinderzulagen, Spesen Reisezeit nicht auszahlte und teilweise unrechtmässige Abzüge vornahm. Die Eisenleger traten in den Streik. Feldmann ignorierte das Lohndumping und versuchte gar mit einer neuen Eisenleger-Firma die Arbeiten dennoch weiterzuführen. Ein Vorgehen, im Falle von Subunternehmern leider immer wieder vorkommt. Da weder die HRS noch Feldmann zu einer Lösung bereit waren, hat sich die Siedlungsgenossenschaft Sunnige Hof eingeschaltet und dafür gesorgt, dass die betroffenen Eisenleger ihren ausstehenden Lohn erhalten haben.